„100 Jahre unterwegs“ – Etappe 6 – Gedelitz > Bankewitz (39,8 km)

The final stage. Heute war unsere letzte Etappe, die am Ende sogar noch recht abenteuerlich wurde.

Ausgeschlafen trafen wir uns am Morgen zu einem ausgezeichneten Frühstück. Der erste Schock vom Vorabend war glücklicherweise halbwegs verdaut.
Die Sachen waren schnell gepackt und schon waren wir unterwegs, auf den letzten Kilometern nach Bankewitz. Noch in Gedelitz begrüßte uns wie seit Jahren schon die Maus – sie hat gerade heute nichts an Aktualität verloren.
Munter ging es weiter, vorbei an Kühen, Feldern und Wäldern, durch die Lucie Richtung Jeetzel. Apropos Wälder – die kleinen Birkenhaine, die fehlen mir in Thüringen sehr – oder hab ich die da nur noch nicht gefunden?
 Wir kamen zügig voran, Radwege gab es nicht, allerdings ist das Radeln auf den wenig befahrenen Landstraße kein Problem. Kaum dass wir uns versahen, hatten wir auch schon Jameln erreicht (nicht zu verwechseln mit Jarmen). Wie auch in vielen anderen Orten begrüßte und die typisch wendländische Optik.
Auf den vielen (deutlich kleingliedrigeren Feldern als zum Beispiel in Sachsen-Anhalt) lagen wie immer im Herbst die Zuckerrüben zur Abholung bereit. Der schwere, süßlich erdige Geruch ist unweigerlich mit meinen Kindheitserinnerungen verbunden :)
Wir radelten in hohem Tempo von Dorf zu Dorf, ließen dabei Breustian, Sallahn und Groß Wittfeitzen hinter uns. Für alle, die damit nix anfangen können, kommt zwischen Himmelfahrt und Pfingsten her, denn dann gibt die Kulturelle Landpartie einem die großartige Möglichkeit diese Orte kennen zulernen. Zu meiner besonderen Erheiterung gibt’s auch immer noch die Kaugummi Automaten auf den Dörfern.
Es gibt sie noch…
Eine Besonderheit in dieser Gegend ist immer noch die Beschilderung. Aus „Vor-Navi-Zeiten“ des Anti-Atom-Widerstandes sind noch immer viele Straßenschilder gecleant. In Kombination mit überklebten Ortsschildern, die jedes Dorf zu Gorleben machten, war die Orientierung für die atomare Begleitflotte der Polizei fast unmöglich. So geht ziviler Ungehorsam ;)
Ergänzt wurden die Schilder aber inzwischen längst durch Radfahr-Wegweiser, was das navigieren mit dem Rad hier erheblich erleichtert.
Wir hatten unser Ziel schon fast erreicht, der eine oder andere Bauer hatte seinen Acker schon winterfein und die Kiefernwälder versprachen schon die Blaubeerernte im nächsten Jahr.
Der fröhliche Endspurt wurde jedoch jäh unterbrochen. Kurz hinter Hohenvolkfien machte es einen kräftigen Schlag – und mein Hinterrad eierte auf einmal kräftig herum. Autsch. Ein sofortiger Halt bestätigte die Befürchtung.
Mir waren wirklich kurz vorm Ziel zwei Speichen gebrochen. Argh. Nachdem der erste Ärger verflogen war, war ich doch sehr erleichtert, dass dies nicht auf eine der langen einsamen Etappen entlang der Elbe passiert ist. Hagen übernahm eine meiner Packtaschen um Gewicht zu entlasten und im Schneckentempo eierten wir weiter.
Der Zieleinlauf war etwas gedämpft, trotzdem war die Freude groß, als vor unseren Augen Bankewitz auftauchte und das vertraute Bild von Hagens Häuschen. Und sogar die Sonne guckte kurz hervor.
Kaum, dass wir angekommen waren, fing es an zu regnen, was uns nun nicht mehr stören sollte. Wanda hatte Suppe für uns vorbereitet, und nach 5,5 Tagen verbrachten wir die erste Mittagspause nicht unter freiem Himmel. Wir waren angekommen.
Was für eine tolle Reise. In der Nachbetrachtung kann ich schon verstehen, warum die Etappen mit weitaus weniger Kilometern vorgegeben sind, so haben wir viele Sehenswürdigkeiten an uns vorbei ziehen lassen. Die Wahl der Jahreszeit fand ich sehr gelungen, große Streckenlängen sind ohne Schatten im Sommer sicherlich nicht ohne. Im direkten Vergleich ist der Elberadweg auf jeden Fall weit besser ausgebaut als der Saaleradweg, sowohl was Beschilderung, Wege, Infotafeln, Fahrradständer als auch Rastplätze betrifft. Da ist auf Saaleseite echt Nachbesserungsbedarf vorhanden.
Was mir bleibt, ist mich zu Bedanken. Bei Hagen, ohne den diese Tour nicht stattgefunden hätte, bei all den Menschen die uns mit Quartier und Frühstück versorgten, bei den vielen hilfsbereiten Menschen die uns den Weg wiesen und bei Wanda, die mich und mein kaputtes Rad (heul) morgen zurück fahren wird. Und finally bei meinen supertollen Kindern, die mich ziehen ließen und bei meinem liebsten Lebenskomplizen Micha :*, der nicht nur Platz auf seinem Blog machte (lest ihn!), sondern auch jeden Abend die Beiträge neu gesetzt hat, da das am Handy echt eine Qual ist – you’re the best!
Und bevor ich es vergesse, vielen Dank an meine Beine, die so tapfer getreten haben – ohne einen Muskelkater!

4 Kommentare


  1. Herzlichen Glückwunsch zu der überstandenen Tour. Aus meiner Sicht eine tolle Leistung. Sicher habt ihr viele Anregungen sammeln können, für ein weiteren Besuch.
    Gute Erholung. Achtet darauf, dass die Beine jetzt nicht die Hosen zerstören ;-)
    Hatte gehofft, euer Eintreffen irgend wie mitzubekommen – aber verpasst.


  2. Vielen vielen Dank dass ich durch das temperamentvolle Tagebuch mit Fotos auch ein bisschen dabei sein konnte !!!
    Weiter so und so und so ….
    Wanda


  3. Vielen vielen Dank für den temperamentvollen Reisebericht plus Fotos, so konnte ich mir vorstellen wie es euch so geht ! Schön dass ihr wohlerhalten wieder da seid !
    So long Wanda


  4. danke für den schönen Bericht. Besonders haben mich die abgedeckten Orstschilder und die Kaugummi-Automaten beeindruckt. Dass es die noch gibt!

    Juliane

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