„100 Jahre unterwegs“ – Etappe 4 – Hohenwarthe > Hohenberg-Krusemark (78km)

 

Wieder eine zähe Etappe… aber natürlich von vorn (und ja, niemand weiß wo Hohenberg-Krusemark ist, google it!)

Der Tag begann mit strahlendem Sonnenschein und einem sehr liebevoll hergerichteten Frühstück – inklusive Blick auf die Elbe. Wie wunderbar! Zumal ich ausgezeichnet geschlafen habe, die erste gute Matratze 😉

 

Bald schon machten wir uns wieder auf den Weg, erst einmal ein Stück am Mittellandkanal entlang in Richtung Elbe-Havel-Kanal. Die glatte Wasseroberfläche glitzerte verführerisch.

 

An der Doppel-Sparschleuse ging es quer rüber nach Niegripp. Vorbildlicherweise hatte ich bereits im Vorfeld den Verkehrsbericht vom Elberadweg gelesen und wusste dementsprechend, dass es Deichbauarbeiten zwischen Niegripp und Schartau gibt. Nur fanden wir die Umleitungen nicht – das mag daran liegen, dass wir uns schon vorher etwas verfahren hatten. Dafür gab’s tolle Bäume zu sehen.

Eine freundliche Dame im Ort sagte: einfach durchfahren… hmm. Gesagt, getan, da es ja inzwischen Wochenende ist machte ich mir auch weniger Sorgen ob wir durchkommen. Und das mit dem Wochenende war verdammt gut, denn es ist eine große Baustelle – die man unter der Woche vermutlich wirklich umfahren sollte.

Von Schartau aus ging es ratzfatz ans Elbufer zur Fähre. Ab hier wollten wir vorerst linkselbig weiterfahren. Die Fähre legte gerade an, so dass wir ohne Wartezeit weiterkamen. Der Trend zur Teuerung hielt sich, 2 € pro Person wurden fällig. Obacht für Nachmacher, diese Fähre hat eine Mittagspause von einer Stunde zwischen 12 und 13 Uhr.

 

Auf der anderen Elbeseite erreichten wir Rogätz – schon in Mittagspausenlaune. Doch der kleine Ort war uns nicht wohlgesonnen, der Bäcker schloss bereits 11 Uhr, das Café am Ort öffnete erst am Nachmittag. Also nur ein kurzer Stopp am Supermarkt um unsere Wasservorräte aufzufüllen. Weiter ging es sogleich via gut ausgebautem Weg auf dem Deich. Bis auf ein paar hübsche Schafe waren wir allein.

Bei Wiesental führte uns der Weg in einen beschaulichen Kiefernwald. Wir fuhren einen großen Bogen um die zahlreichen Ausläufer der alten Elbe. Ein Paradies für diverse Vögel die diesen Ort zur Rast nutzen. Wir taten es ihnen gleich und legten ein Mittags-Picknick ein. Die Ruhe war himmlisch und wurde nur ab und an vom quaken der Enten und Gänse durchbrochen.

Weiter ging es. Ein zäher Abschnitt. So unfassbar langweilig. Es fühlte sich an wie auf der Stelle treten. Obwohl wir parallel zur Elbe fuhren, nix zu sehen. Der Weg entweder dröge Landstraße die nicht enden wollte oder Radweg parallel zu dieser. Mit denkbar schlechtem Belag, der Wurzelauftrieb hatte ganze Arbeit geleistet – es huckelte wie Kopfsteinpflaster. Meist zogen wir die Straße vor. Immerhin, nach langer Zeit endlich ein schöner Aussichtspunkt, mit den schon bekannten Schutzhütten.

Die Langeweile setzte sich fort. Kurz vor Grieben dann ein vielversprechendes Schild – Apfelkuchen und ein Pott Kaffee für 4 €. Garniert mit einem himmelhohen Rad.

Wir ließen uns nicht lang bitten und bogen ab. Nach nur wenigen Metern lag vor uns plötzlich ein Campingplatz, mit Hütten, Fahrradständern – und dem Kuchen. Wir waren im Family-Camp-Kellerwiehl gelandet. Der versprochene Kuchen – ein Gedicht. Mit Sicherheit einer der besten Apfelkuchen, die ich je hatte.

Allerdings – falls jemand gedenkt dort zu Urlauben – Netzabdeckung ist nicht. EDGE-Land. Soweit so gut, man bietet WLAN an. Zu Preisen, da schlackerten mir die Ohren. Ey Deutschland, so wird das nix mit modern und mit zeitgemäßem Tourismus schon gar nicht.

Weiter ging es – noch mehr gähnende Landstraße. Boa war uns langweilig. Und das macht müde. Dazu stets Gegenwind. Sehr motivierend.

 

Kurz hinter Buch dann Besserung – da waren sie wieder, die Elbe, der Deich. Endlich ging es voran.

Kaum dass wir uns versahen, tauchte plötzlich auch schon eindrucksvoll Tangermünde vor uns auf. Das ursprüngliche Tagesziel. Aber aufgrund unseres Vorsprungs von gestern war klar, es wird noch weitergehen.

Plötzlich ein surren in der Luft, Minuten lang bestaunten wir die Flugkünste eines Modellfliegers. Unweigerlich musste ich an die grandiose Szene aus Arizona Dreams, respektive der unsichtbare Dritte denken – Und damit unweigerlich an den letzten Freitag, nach genug Tequila in der Weintanne in Jena mit K. und S., und dass S. kurz davor stand, ebendiese Szene nachzuspielen. Vor Lachen fiel ich fast vom Rad. So widme ich diese Etappe euch beiden, denn mit euch ist es niemals langweilig.

Zügig durchquerten wir Tangermünde, beeindruckend viele schöne Häuser, vor allem die riesige Kirche. Mir gefielen wie immer die ollen Gebäude am besten 😉

Weiter ging es Richtung Arneburg. Der Weg wieder gut, der Wind immer noch hartnäckig. Plötzlich Ausläufer der Eiszeit, nach all dem Platten Land hatten wir mit einer Berg- und Talfahrt zu kämpfen. Der nagelneue Belag machte es aber leichter.

Arneburg wie ausgestorben, reichlich Fachwerk, hübsch hübsch. Aber noch nicht weit genug, so war es doch erst 17 Uhr und wir noch nicht weit genug gefahren. Zeit für einen Plan. Und sich Gedanken zu einer Übernachtungsmöglichkeit zu machen. Hagen fackelte nicht lang und beschloss Pause in einer Pizzeria am Straßenrand zu machen. Uff. Nicht sehr vertrauenswürdig. Der Wirt schon mit der Flasche Bier in der Hand, die einzigen Gäste zwei ältere Herren die vor sich hin schimpften. Aber ich sollte eines besseren belehrt werden.
Schnell stelle sich heraus, dass dies für die nächsten 30 Kilometer die letzte Möglichkeit der Einkehr sein sollte (oder war dies nur eine gute Verkausmasche? 😉 ) – also bestellte ich doch eine Pizza die am Ende erstaunlich gut war!

Nach kurzem Blick auf Karte und Uhr war klar, weiter als Hohenberg-Krusemark werden wir es nicht mehr schaffen. Wir erkundigten uns beim Wirt nach eventuellen Übernachtungsmöglichkeiten, er sagte „joa, da könnte was sein“. Ich bekam es mit der Angst, kein Internet, keine Möglichkeit zu googeln und sah uns schon die ganze Nacht fahren. Micha, der aus der Ferne beisprang, schickte eine Telefonnummer zu einer Pension. Niemand nahm ab. Der Wirt brachte die Rechnung (18,40 € für 2 Pizzen, Kaffee und Cappuccino sowie Kaltgetränke – ein Schnäppchen!) – und Infos. Er hatte schnell herumtelefoniert und den Vermieter der Pension auf dem Handy erreicht – es sei ein Zimmer frei. Mega.
Also schnell aufs Rad und die letzten 7 Kilometer für heute durchziehen.

 

Wir erreichten den gesuchten Reiterhof und wurden von einem patenten Landwirt begrüßt. In stilechter Pferdewirt-Ausdrucksweise wurden wir aufgefordert erst einmal die Räder abzusatteln und in der Scheune unterzubringen – er müsse erst noch die Betten beziehen. Kurz darauf war unser gemütliches Zimmer auch schon bereit. Erleichterung und Müdigkeit machte sich breit.

Da die Wettervorhersage für morgen nicht sonderlich prickelnd ist wird heute früh geschlafen. Wind und die nachmittägliche Bewölkung haben heute an uns gezehrt. Die 78 Kilometer fühlten sich sehr viel länger an, als die gestrigen 95 Kilometer. Hoffen wir mal, dass es morgen nicht so fad und zäh wird.
So long.

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